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Warum wir manchmal nicht einfach abschalten können

  • Autorenbild: bea carelli
    bea carelli
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
Frau nachdenklich auf dem Sofa. Das Denken kommt nicht zur Ruhe.

Wenn der Tag vorbei ist – aber der Körper noch nicht zur Ruhe kommt


Der Arbeitstag ist vorbei.

Eigentlich wäre jetzt Feierabend.

Du sitzt auf dem Sofa, aber im Kopf gehst du noch einmal das Gespräch vom Nachmittag durch. Nebenbei denkst du daran, was morgen alles ansteht. Deine Schultern sind angespannt, der Atem eher flach und irgendwie fühlt es sich nicht wirklich nach Ruhe an.

Später liegst du im Bett.

Du bist müde.

Und trotzdem bist du innerlich noch wach.

Warum kann ich nicht einfach abschalten?

Schliesslich verlangt gerade niemand mehr etwas von mir.

Aber unser Körper richtet sich nicht danach, ob der Terminkalender für heute beendet ist.

Der Körper trägt den Tag mit

Wir reagieren den ganzen Tag auf das, was um uns herum geschieht.

Termine. Gespräche. Verantwortung. Zeitdruck. Familie. Arbeit. Nachrichten. Entscheidungen.

Vieles davon nehmen wir gar nicht bewusst als Belastung wahr.

Wir funktionieren einfach.

Unser Körper passt sich an. Wir sind konzentriert, aufmerksam, reagieren schnell und erledigen, was erledigt werden muss.

Und genau das ist grundsätzlich etwas sehr Sinnvolles.

Schwierig wird es erst, wenn der Wechsel zurück in die Ruhe immer weniger gelingt.

Dann ist der Arbeitstag zwar vorbei – aber innerlich läuft er noch weiter.

Feierabend bedeutet nicht automatisch Ruhe

Nur weil wir nichts mehr erledigen müssen, heisst das nicht, dass unser Körper bereits verstanden hat:

Jetzt darf ich herunterfahren.

Vielleicht sitzt du längst auf dem Sofa, aber dein Atem ist noch schnell.

Vielleicht merkst du erst im Bett, wie angespannt dein Kiefer ist.

Oder deine Gedanken springen weiter von einem Thema zum nächsten.

Der äussere Tag ist vorbei.

Der innere noch nicht.

Entspannung beginnt oft mit Wahrnehmen

Manchmal beginnt der Weg zur Ruhe nicht damit, dass wir uns zwingen, uns zu entspannen.

Sondern damit, überhaupt zu bemerken:

Ich bin noch gar nicht ruhig.

Wie fühlt sich dein Atem an?

Sind deine Schultern angespannt?

Wie liegt dein Körper auf dem Sofa oder im Bett?

Ist da Unruhe?

Müdigkeit?

Enge?

Wärme?

Vielleicht merkst du erst in diesem Moment, wie viel vom Tag noch im Körper steckt.

Dabei musst du zunächst gar nichts verändern.

Wahrnehmen ist schon ein erster Schritt.

Warum der Kopf im Bett plötzlich wieder laut wird

Manche Menschen kennen das besonders gut:

Den ganzen Tag läuft man durch.

Und ausgerechnet dann, wenn endlich Ruhe ist, kommen die Gedanken.

Was habe ich vergessen?

Was muss ich morgen machen?

Was meinte eigentlich diese Person heute mit ihrer Bemerkung?

Vielleicht war tagsüber einfach kaum Raum dafür, all diese Eindrücke überhaupt wahrzunehmen.

Und wenn es still wird, meldet sich das, was vorher keinen Platz hatte.

Das bedeutet nicht automatisch, dass etwas falsch läuft.

Manchmal darf man einfach feststellen:

Da ist gerade noch viel in mir unterwegs.

Nicht jeder Gedanke muss gelöst werden.

Nicht alles muss noch vor dem Einschlafen geklärt sein.

Der Körper braucht Zeit für den Übergang

Im Alltag wechseln wir häufig sehr schnell von einer Situation in die nächste.

Arbeit.

Heimweg.

Einkaufen.

Abendessen.

Familie.

Noch kurz etwas erledigen.

Und irgendwann soll plötzlich Schlaf sein.

Vielleicht braucht der Körper dazwischen einen Übergang.

Nicht unbedingt etwas Grosses.

Vielleicht einen kurzen Spaziergang nach dem Essen.

Eine warme Dusche.

Ein ruhiger Tee.

Ein paar Minuten ohne Handy.

Gedämpftes Licht.

Oder einfach einen Moment, in dem du nichts mehr organisierst.

Nicht als Pflicht.

Sondern als Signal:

Der Tag darf langsam weniger werden.

Auch in meiner Praxis

Auch in meiner Praxis begegnet mir dieses Thema immer wieder. Menschen kommen mit dem Wunsch, endlich zur Ruhe zu kommen oder wieder besser abschalten zu können.

In der Begleitung geht es für mich dabei nicht nur darum, Entspannung herzustellen, sondern gemeinsam wahrzunehmen, was der Körper gerade zeigt und was ihn dabei unterstützen kann, wieder leichter in die Ruhe zu finden.

Ruhe lässt sich nicht erzwingen

Je mehr wir versuchen, unbedingt einschlafen oder endlich zur Ruhe kommen zu müssen, desto mehr Druck kann entstehen.

Ich muss jetzt schlafen.

Ich darf morgen nicht müde sein.

Warum funktioniert das schon wieder nicht?

Und plötzlich ist selbst das Einschlafen zu einer Aufgabe geworden.

Vielleicht hilft dann ein anderer Gedanke:

Ich muss gerade nicht sofort schlafen. Ich darf erst einmal nur hier liegen und wahrnehmen, dass der Tag noch nachklingt.

Manchmal verändert genau das schon etwas.

Der Tag darf nachklingen

Vielleicht geht es am Abend gar nicht immer darum, möglichst schnell abzuschalten.

Vielleicht braucht unser Körper manchmal einfach etwas Zeit, um von Aktivität in Ruhe zu wechseln.

Zu spüren, was noch da ist.

Den Tag langsam loszulassen.

Und irgendwann zu merken:

Jetzt muss ich nichts mehr leisten.

Vielleicht beginnt genau dort wirkliche Ruhe.

Nicht auf Knopfdruck.

Sondern Schritt für Schritt.

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